¡Gracies Mallorca!

Kennen Sie auch, oder? Dieses Nörgeln, Meckern und Beschweren über Mallorca? Klar, denn es ist auch eine echte Unverschämtheit, daß man beim Antrag für die Tarjeta de Residencia stundenlang warten muß oder daß man in einer Bar direkt an der Kathedrale teures Geld für Getränke bezahlen muß. Sowas passiert in Deutschland nicht! Niemals!

Noch unverschämter ist es natürlich, daß die Mallorquiner ihre eigene Sprache erhalten möchten. Und eine Unverfrorenheit ist es auch, daß man uns Deutsche tatsächlich hier und da abverlangt, Spanisch zu sprechen, wo wir doch auf Mallorca sind! Schließlich spricht man hier Mallorquin (was wir niemals lernen brauchen, weil wir ja keine Mallorquiner werden wollen) oder halt Deutsch. Oder?

Im übrigen können die doch froh sein, die Spanier und Mallorquiner, daß wir überhaupt hier sind. Sonst würden die doch immer noch mit Eselkarren von Alcudia nach Palma fahren, um die Sonne untergehen zu sehen!

Und wenn die mal alle Deutsch lernen würden, dann könnten sie auch die Bild-Zeitung lesen und wüssten, was auf ihrer Insel so alles schief läuft!

Allerdings wird man hin und wieder auch positiv überrascht. Aber das kann doch sicher nur Zufall sein.

Zum Beispiel saß ich neulich mit Freunden in einer Bar am hiesigen Flughafen und wir mußten am Ende für 3 Bier und 3 Carajillos weniger bezahlen als für zwei Flaschen Mineralwasser am Flughafen in Düsseldorf.

Und unsere mallorquinischen Nachbarn bringen uns regelmäßig sebstgemachte Coca, Cafe oder Marmelade aus eigener Produktion rüber, nur so! Wenn da mal kein Haken dran ist.

Oder mein mallorquinischer Solaranlagenmanager: Supernetter Typ. Und bei Problemen ist der innerhalb einer halben Stunde da. Sicherlich will der nur mein Geld. Ist ja anders nicht zu erklären. Und wie der sich immer freut, daß mein Spanisch (nicht Mallorquin!) von Tag zu Tag besser wird: auch das ist sicherlich mit Vorsicht zu genießen, bestimmt ist das eine besondere mallorquinsceh Variante von Sarkasmus und Fremdenhass.

Dann die Vermieter unserer Büros: Allesamt Spanier und Mallorquiner. Extrem nett, entgegenkommend und sehr aufgeschlossen uns deutschen Einwanderern gegenüber. Klar, die wollen ja auch nur verdienen. Was sonst.

Fazit: Eigentlich ist das Leben für uns Deutsche hier ein Zumutung. Also schlage ich aus der Art. Denn ich empfinde es als wundervoll auf dieser Insel. Die Menschen sind freundlich und man kann abends bis 22 Uhr im Supermarkt einkaufen, ohne daß einen die Kassiererin angiftet. Das Wetter ist fast immer ein Lächeln wert und seit 4 Jahren, die ich auf dieser Insel bin, bin ich nicht ein einziges Mal mit fremdenfeindlichen Ansätzen in Berührung gekommen. Und ich liebe die Art, wie hier gelebt wird. Man muß sich nur darauf einlassen, und wird früher oder später diese herrliche innere Gelassenheit erreichen.

Ich habe auf dieser traumhaften Insel bisher viel Glück erfahren. Und es ist wirklich an der Zeit, daß speziell wir Deutschen auch einmal mit Blick auf unseren eigenen Umgang mit Fremden – heute wie einst – ein dickes Dankeschön an Mallorca und seine Bewohner loslassen. Ein Dankeschön für die Gastfreundschaft und dafür, daß hier ein Lächeln immer auch mit einem ehrlichen Lächeln beantwortet wird, und man uns Deutschen unsere Nörgelei nicht wirklich krumm nimmt. Wir sind halt die Cap Quadrats, die „Quadratschädel“, wir können nicht anders …

Aber wir können endlich mal laut Danke sagen. Und was könnte es anderes geben, als uns in der Sprache der Insel zu bedanken: ¡Gracies Mallorca!

Ein Gastkommentar von Michael W. Driesch, Unternehmer und Geschäftsführer der Mallorca Film Academy, für die Mallorca Zeitung

 

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