Apple ProRes RAW – eine kleine Revolution

Am 9. April hat Apple eine neue Version von Final Cut Pro X zum Download bereitgestellt. Entscheidendes neues Feature: Die Unterstützung des brandneuen Videoformats Apple ProRes RAW. Es kann aktuell mit einigen Geräten von Atomos aufgezeichnet werden und kombiniert die Vorteile von ProRes und die großartigen Möglichkeiten des RAW-Formats, so dass es in Final Cut Pro X wie ein „gemeines“ Videoformat verarbeitet aber gleichzeitig in der Postproduktion ordentlich gequält werden kann. So weit die Theorie. Ich habe in den letzten Tagen die Möglichkeit genutzt, mit einer Sony FS5 (mit 12-bit-RAW-Ausgabe) und dem Shogun Inferno (mit neuer „ProRes RAW“-Firmware) das neue Format auszureizen. Dann hochgeladen in Final Cut Pro und im HDR-Modus und dem REC2020-Farbraum bearbeitet. Und was soll ich sagen: DIESE KOMBI IST GRANDIOS und GAME CHANGING!

Hier ein kleines Beispiel:

1. Bild: Original (unbearbeitet, nur mit Log-Conversion und mit LUT; HDR-/REC2020-Modus, 4K auf 1080 runterskaliert)

Standbild mit Log-Conversion in S-Log3 und entsprechendem LUT – ohne weitere Bearbeitung

2. Bild: Obiges Bild ausschließlich mit Belichtungskorrektur in FCPX

Nur Belichtungs-Korrektur, in den Low-Key-Bereich. Die Highlights und die Zeichnungen in den dunklen Bildbereichen können wunderbar erhalten werden, während der Gesamteindruck in den „Nachtmodus“ wandert. (HDR und REC2020)

Wie man wunderbar sehen kann, liefert das ProRes RAW soviel Spielraum, dass ich das Material problemlos in den „Nachtmodus“ runterziehen, die Highlights und die Zeichnung in den dunklen Bildteilen aber erhalten konnte, so wie es sich für ein RAW gehört.

Und nun ein bisschen Pathos: Jetzt sind endgültig die Zeiten angebrochen, in dem das Filmemachen zumindest auf technischer Seite „demokratisiert“ und „den Massen“ zugänglich wird. Zeiten, die 1995 mit Sonys VX1000 und dem DV-Format begannen, die mit der Entwicklung von immer besseren NLE-Systemen und (in den letzten Jahren) internetbasierten Vertriebsoptionen ihren weiteren Verlauf nahm, und die jetzt aus meiner Sicht mit dem „Volks-RAW“ von Apple einen produktionstechnischen Höhepunkt erreicht. Danke an Apple, danke an Atomos für die kostenlose Integration und sowieso Sony für die FS5, die jetzt mit S35-mm-Sensor, dem genialen variablen ND-Filter und eben jetzt der Apple-ProRes RAW-Option via Atomos (in 4K!) zu einer absolut ernstzunehmenden Cinekamera mutiert ist (und das zu einem Preis, der „4K“ ziemlich ähnelt). Jetzt braucht jeder Filmemacher auf dem Weg zum Blockbuster „nur noch“ eine tolle Story, brillante Schauspieler, ein perfektes Team, einen engagierten Vertrieb (mit dem dazugehörigen Marketingbudget) und jede Menge Glück … Die Technik ist jedenfalls jetzt für alle da ;-). Und es wird wohl (hoffentlich) nicht lange dauern, bis sich ProRes RAW auch den Weg in die Softwarewelt von Adobe und Blackmagic bahnt.

Wer jedoch trotzdem der Auffassung ist, dass man für einen „richtigen Film“ mit ARRI (oder wenigstens RED) drehen muss, dem sei dieses Essay von Rudi Schmidts ans Herz gelegt: https://www.slashcam.de/artikel/Editorials/Die-passende-Kamera—Eine-Frage-der-Risikobewertung-.html

Hier geht’s zum Apple-Whitepaper über ProRes RAW

 

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